INF-Vertrag am Ende - Kalter Krieg reloaded? I Geschichte

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Heute geht es bei uns um einen Vertrag. Um einen wichtigen Rüstungsvertrag zwischen den USA und Russland.

Die Rede ist vom INF-Vertrag. "INF", das steht für: "Intermediate-Range Nuclear Forces".

Auf Deutsch: nukleare Mittelstreckensysteme. Die waren durch den Vertrag seit mehr als 30 Jahren verboten.

Aber jetzt hat der US-amerikanische Präsident Donald Trump diesen INF-Vertrag gekündigt.

Einen Tag später hat auch der russische Präsident Wladimir Putin angekündigt, dass Russland aus dem Vertrag aussteigen wolle.

Stehen wir vor einer neuen Zeit der Aufrüstung? Was bedeutet das für die Sicherheit Europas?

Da wir hier auf einem Geschichtskanal sind, starten wir natürlich auch mit der Geschichte.

Wir stellen uns die Frage: Auf was hat man sich damals in diesem INF-Vertrag eigentlich geeinigt?

Kurz gesagt: Es geht um die gefürchteten Mittelstreckenraketen, die mit atomaren Sprengköpfen bestückt werden können.

Mittelstrecke, das bedeutet, dass die vom Boden gestarteten Raketen zwischen 500m und 5.500km

weit fliegen können. Im Gegensatz zur Langstreckenrakete ist die Flugzeit,

und damit die Vorwarnzeit, sehr viel geringer. Um diese nukleare Bedrohung zu verhindern,

einigten sich die USA und die Sowjetunion am 8. Dezember 1987 darauf,

solche Mittelstreckenraketen weder zu bauen, noch zu testen. Aber wie kam es überhaupt zu diesem Vertrag?

Alles fing an mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Obwohl die USA und die Sowjetunion als Verbündete

gegen das Deutsche Reich gekämpft haben, hielt das Bündnis nicht lange an.

Zu groß waren die Unterschiede ihrer Weltanschauungen. Es begann die Zeit des "Kalten Kriegs".

Ich habe dazu auch schon mal ein Video gemacht, das findet ihr, wenn ihr oben auf das "i" klickt.

Europa und große Teile der Welt waren jetzt in Einflussbereiche der Supermächte aufgeteilt.

Supermächte auch deshalb, weil zuerst die USA, und ab 1949 auch die Sowjetunion mit Atomwaffen ausgestattet waren.

Massenvernichtungswaffen, deren Sprengkraft ganze Städte ausradieren konnte.

Um ihre Macht zu demonstrieren, lieferten sich beide Seiten ein Wettrüsten.

Schafften immer mehr und immer stärkere Waffen an, darunter auch Atomwaffen. Der Gedanke war:

Wenn wir mehr Waffen haben als die anderen, dann sind wir stärker, und der Gegner wird uns nicht angreifen.

Es war klar: Wenn es mit diesen Waffen zu einem Krieg kommt, dann sterben Millionen,

vielleicht sogar Milliarden Menschen. Damals bauten beide Seiten so viele Atomwaffen, dass sie damit

die ganze Welt mehrmals hätten zerstören können. Darum war insgeheim den Regierungen von den USA und der Sowjetunion klar,

zu so einem Krieg dürfte es nicht kommen. Trotzdem wollten sie den Gegner glauben lassen, dass sie sehr wohl

im Zweifel die Bombe zünden würden. In den 1960er Jahren sah es dann tatsächlich kurz so aus,

als stünde die Welt vor einem Dritten Weltkrieg. Die Sowjetunion hatte Mittelstrecken- raketen mit atomaren Sprengköpfen

auf Kuba stationiert. Und wo liegt Kuba? Genau, direkt vor den USA. Nur wenige 100 km entfernt.

Das machte die USA nervös, und viele mächtige Leute dort wollten einen Luftangriff starten.

Das wäre vermutlich der Beginn eines schrecklichen Krieges gewesen. Gerade noch so konnte die Bedrohung mit Gesprächen und Verhandlungen

abgewendet werden. Diese Kuba-Krise in den 1960ern gilt als Höhepunkt des Kalten Krieges.

Beide Seiten wurden sich bewusst, dass diese ständige Zuspitzung des Konflikts und das technische Wettrüsten irgendwann

zu einer Katastrophe führen würden. Trotz aller Differenzen setzten sich die Politiker in dieser Zeit zusammen

und erarbeiteten nach und nach Verträge. Ein Nebeneffekt war, dass die beiden Seiten endlich

im intensiveren Gespräch miteinander waren. Immer wieder fingen sie an, Vertrauen zueinander aufzubauen.

Vielleicht entwickelten sie sogar ein Verständnis füreinander. Zunächst gab es in den 1970er Jahren immer wieder Rückschläge,

doch insbesondere die Friedensbewegung in Europa forderte die Politiker beider Mächte erneut an den Verhandlungstisch.

Auch in Deutschland demonstrierten Hunderttausende gegen die hier stationierten Atomraketen.

Zu großen Veränderungen kam es mit dem Amtsantritt von Michael Gorbatschow, als neuer Staatschef der Sowjetunion,

im März 1985. Seine Reformen, Perestroika und Glasnost,

auf Deutsch: Umgestaltung und Offenheit, wirkten sich auch auf den sowjetischen Militärhaushalt aus.

Denn die Sowjetunion stand wegen der Kosten des Wettrüstens kurz vor dem Bankrott.

Gorbatschow setzte sich für die Abschaffung von Atomwaffen und die Abrüstung von Mittelstreckenraketen ein.

Auch der damalige Präsident der Vereinigten Staaten, Ronald Reagan, war für eine atomwaffenfreie Welt.

Das waren gute Voraussetzungen für Verhandlungen. Am 8. Dezember 1987 unterzeichneten Gorbatschow und Ronald Reagan

den INF-Vertrag, der erste Vertrag nach Ende des Zweiten Weltkriegs, in dem es wirklich darum ging, ganze Waffensysteme zu verschrotten.

Und nicht nur weniger neue anzuschaffen. Das war eine wichtige Sache, denn das hieß, dass zumindest

eine Art Waffen, die mit Atomköpfen bestückten Mittelstreckenraketen, keine Gefahr für beide Seiten mehr darstellen konnte.

Besonders für die Menschen in Europa, in denen die Mittelstreckenraketen bisher stationiert waren, war es ein Grund zum Aufatmen.

Der INF-Vertrag wurde damals auf unbeschränkte Zeit geschlossen, sollte also nie enden.

Mit dem Ende der Sowjetunion 1991 erklärte sich die neu geformte Russische Föderation dazu bereit, den Vertrag zu übernehmen.

Eigentlich perfekt, aber der Vertrag hatte eine Klausel. Und zwar, dass alle Partner den Vertrag jederzeit verlassen können.

Und genau davon hat Donald Trump jetzt als erster Gebrauch gemacht. Seine Begründung ist: Die Russen hätten den Vertrag gebrochen

und doch Raketen entwickelt, die mehr als 500km weit fliegen können. Der russische Präsident Putin dagegen behauptet, die Raketen

im russischen Arsenal fliegen nur so weit, wie sie laut Vertrag dürfen. Außerdem sagt Russland, dass die USA selbst das Abkommen

seit 20 Jahren brechen würden. Die USA hätten u. a. Raketenabwehrstationen in Rumänien,

die ganz leicht dazu umgebaut werden könnten, um landgestützte Marschflugkörper abzuschießen.

Dem hingegen widersprechen die USA. Russland will also auch raus aus dem Vertrag.

Da fragt man sich schon: Eigentlich klingt der Vertrag doch nach einer sinnvollen Sache,

warum nicht einfach nicht einfach noch mal drüber reden? Warum haben die beiden Seiten den Vertrag gleich ganz aufgekündigt?

Ein ganz wichtiger Punkt: Seit der Unterzeichnung damals sind mehr Atommächte hinzugekommen.

Nun sind nicht mehr die USA und Russland die einzigen Supermächte, dazu kommen z. B. auch China, Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea.

China rüstet im Moment massiv nukleare Mittelstreckenwaffen auf. Stellt also genau die Waffen her,

die die USA und Russland laut INF-Vertrag nicht besitzen dürfen. Eigentlich wäre die logische Idee, warum nicht den Vertrag so erweitern,

dass die anderen auch mitmachen, anstatt den Vertrag komplett in die Tonne zu treten?

Problem daran ist: Die meisten neuen Atommächte haben überhaupt kein Interesse daran,

sich mit Verträgen in ihre Aufrüstung reinreden zu lassen. Und wie es scheint, ist dieses Interesse auch bei Russland

und den USA nicht besonders groß. Viele von euch fragen sich jetzt wahrscheinlich:

Steht uns ein neues Aufrüsten bevor, ein neuer Kalter Krieg? Das ist nicht so leicht zu beantworten.

Zumindest scheinen die Bedrohungen größer, weil mehr Länder über Atomwaffen verfügen.

Aber auch die Staatsmänner Wladimir Putin und Donald Trump beanspruchen den alten Supermacht-Status wieder für sich.

Ein neues Wettrüsten könnte ihrer Meinung nach womöglich einen Beweis dafür liefern.

Wirklich wichtig wäre es im Moment, dass die Politiker von heute aus der Geschichte von damals lernen.

Anstatt die Eskalation zu fördern, wie damals in den ernsten Phasen des Kalten Krieges,

sollte man wieder anfangen, ernsthaft und möglichst ohne Drohgebärden wieder miteinander zu sprechen.

Misstrauen abbauen, gegenseitiges Vertrauen schaffen, das würde ich sagen.

Sonst sind wir direkt auf dem Weg in einen neuen Kalten Krieg. Darüber habe ich übrigens schon mal ein Video gemacht,

das findet ihr oben, wenn ihr auf das "i" klickt. Was meint ihr?

Kann es gelingen, das Aussteigen aus dem INF-Vertrag noch mal zu stoppen? Können wir ein neues Wettrüsten verhindern,

bzw. können die Politiker das verhindern? Was sollte getan werden?

Schreibt es gerne unten in die Kommentare. Wenn ihr kein Video mehr verpassen wollt, dann abonniert uns einfach.

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Danke fürs Zuschauen, bis zum nächsten Mal.