Die Ära Adenauer: Außenpolitik I Geschichte

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. Der 1. Kanzler der Bundesrepublik Deutschland.

Welche Herausforderungen sind mit diesem Amt in der deutschen Nachkriegszeit verbunden?

Wohin führt der Weg der jungen Bundesrepublik? Für Bundeskanzler Konrad Adenauer ist klar,

die Bundesrepublik Deutschland muss ihren Platz in der westlichen Staaten- gemeinschaft finden und behaupten.

Wie Konrad Adenauer das anstellt und welche Politik unter seiner Regierungszeit verfolgt wird, jetzt in diesem Video.

Ich hab schon ein Video gemacht, das sich mit der Gründung der BRD beschäftigt.

Das findet ihr, wenn ihr oben auf das I klickt. Jetzt tauchen wir in die Anfangsjahre des neuen Staates ein.

Nach der Bundestagswahl 1949 sitzen elf Parteien im Parlament. CDU und CSU stellen die größte Fraktion

und bilden mit der FDP und der Deutschen Partei DP eine Bundesregierung.

Der Bundeskanzler braucht von den 402 Abgeordneten 202 Stimmen. Genau die bekommt er auch.

Konrad Adenauer von der CDU wird zum 1. Bundeskanzler der BRD gewählt. Es gibt also ein Parlament und eine Regierung.

Die Bundesrepublik kann loslegen. Aber, Moment mal, Westdeutschland ist nach wie vor ein besetztes Land.

Die West-Alliierten: die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich

haben sich die letzte Entscheidung vorbehalten. Das bedeutet, dass Westdeutschland nicht souverän ist

und frei über seine Angelegenheiten entscheiden kann. Ganz besonders in der Außenpolitik mischen die Alliierten mit.

Der neue Kanzler hat also erst mal ein Ziel: die Souveränität der Bundesrepublik.

Oder besser, er will die Beschränkungen abbauen, die es gibt. Wir blicken auf die Weltlage.

Die USA und die Sowjetunion stehen sich zunehmend feindlich gegenüber. Die USA und Großbritannien sehen in Westdeutschland einen Verbündeten

gegen die Sowjets. Frankreich will den westdeutschen Staat lieber kontrollieren.

In Paris hat man Angst, dass auch das zerkleinerte Deutschland bald wieder wirtschaftlich stark wird

und zur Bedrohung für Frankreich wird. Konrad Adenauer weiß also, dass er vor allem um Vertrauen werben muss.

Die Deutschen haben einen Weltkrieg mitverschuldet und einen angezettelt.

Daher will Adenauer Westdeutschland politisch und wirtschaftlich eng mit den westlichen Staaten verbinden.

Mit Verträgen und mit Abkommen. Der Kanzler möchte, dass Deutschland nicht Objekt der Politik ist,

also von den anderen nur herumgeschubst wird. Er möchte, dass Deutschland mitbestimmt, wo es langgeht.

Deshalb legt er Wert darauf, dass Deutschland in diese Partnerschaft etwas einbringt.

Und er legt Wert auf Umgangsformen. Er will nicht als Bittsteller behandelt werden,

sondern als Regierungschef seines Landes. Deshalb lässt er es die Besatzungsmächte spüren,

wenn er sich schlecht behandelt fühlt. Dabei hilft Adenauer, dass er älter ist

als die drei Hohen Kommissare, das sind die höchsten Vertreter der drei Mächte in Westdeutschland.

Die wichtigste Aufgabe ist die Aussöhnung mit Frankreich. Jetzt kann man aber keinen Krieg führen und dann hingehen und sagen:

Hallo, Hitler ist tot, wir sind wir keine Nazis mehr. Schwamm drüber, give me 5, Franzosen.

Oder donne moi cinq oder so ähnlich. Weil es in Frankreich

logischerweise Vorbehalte gegenüber Deutschland gibt, wählt Adenauer einen Umweg.

Deutschland soll in Europa eingebunden werden, und so soll Frankreich Sicherheit garantiert werden.

Es gibt bereits den Europarat. Da tauschen sich die europ. Staaten aus, wie sie zusammenarbeiten.

Um Frieden, Freiheit und Demokratie in Europa zu sichern. Auch die BRD soll diesem "Club" beitreten.

Das Problem ist, dass das Saargebiet ebenfalls beitreten will. Das Saargebiet, ein Teil Deutschlands,

steht aber unter französischer Oberhoheit und bildet eine eigene Verwaltungseinheit.

Wieso ist die Saar abgetrennt? Weil es da Kohle gibt und kriegswichtige Industrie.

Ohne das Saargebiet, so glaubt man in Paris, könnte Deutschland nie wieder eine große Armee aufbauen.

Adenauer will die Saar aber nicht als eigenständiges Land, deshalb streitet man über den Beitritt der beiden Gebiete

zum Europarat. Adenauer droht aber nicht, er geht konstruktiver vor.

Er macht selber Angebote und kommt dem anderen entgegen. Er bezweckt damit, dass man ihm auch entgegenkommt.

Im Bundestag sind die meisten Abgeordneten gegen einen Beitritt zum Europarat, eben wegen der Saarfrage.

Aber ohne Beitritt zum Europarat gibt es keine Einbindung Deutschlands.

Also wird der Bundeskanzler aktiv. Adenauer signalisiert den Alliierten,

dass seine Regierung dem Europarat beitreten wird. Aber er will nicht darum bitten, er will gebeten werden.

So kann er nach innen immer sagen: Ich erfülle nicht die Wünsche der Alliierten,

ich handle immer nur in deutschem Interesse. Wir wurden eingeladen. Deshalb bin ich beigetreten.

Und so findet er einen Weg. Die Bundesrepublik und das Saargebiet treten beide

zunächst als Beobachter bei. Dann wird Deutschland Vollmitglied, die Saar nicht.

Die Lage ist nicht gut. Das besetzte Westdeutschland fühlt sich von Frankreich gedemütigt.

Frankreich hat Angst vor einem Deutschland, das nicht kontrolliert werden kann und zu mächtig wird.

Da hat ein franz. Spitzenbeamter Jean Monnet eine Idee: Die Lösung ist nicht die Zerstückelung

und das Kleinhalten Deutschlands, sondern dass Frankreich und Deutschland ihre Zukunft

gemeinsam aufbauen. Dazu soll die deutsche und französische Kohle-/Stahlproduktion

einer gemeinsamen europ. Behörde unterstellt werden. Das Besondere ist, auch andere Staaten sollen mitmachen können.

Der französische Außenminister Robert Schumann macht sich diese Idee zu eigen.

Unter seinem Namen wird der Schumann-Plan veröffentlicht. Der Plan ist genial, er schafft nicht nur eine Möglichkeit,

wie Deutschland und Frankreich sich aussöhnen können, er schafft auch noch eine Grundlage

für eine europäische, politische Organisation. Wenn heute jemand einen in die Zukunft weisenden Plan vorstellt,

wird der meistens zerpflückt, bis kaum noch etwas übrig bleibt. Konrad Adenauer geht die Sache anders an.

Er sagt, es ist unsere moralische Pflicht, diesen Plan umzusetzen. Am Ende machen 1951 sogar Italien und die Beneluxstaaten mit.

Es gibt in Deutschland und auch anderen Ländern viel Gegenwind. Vor allem von Unternehmen.

Aber Adenauer stellt die außenpolitische Wiedereinbindung Deutschlands über wirtschaftliche Bedenken.

Im Hintergrund spielt noch ein anderes Thema eine Rolle: die Frage der Wiederbewaffnung der Deutschen.

Nach dem 2. Weltkrieg hat man den Deutschen ihre Waffen abgenommen, die Armee wurde aufgelöst.

Deutschland sollte für alle Zeit entmilitarisiert werden. Das entspricht auch dem Wunsch vieler Deutscher.

Die haben, wie man so schön sagt, die Schnauze voll von Waffen. Aber da gibt's ja noch die Weltlage.

Die USA und Großbritannien machen sich immer mehr Sorgen wegen der Sowjetunion.

Die tritt ziemlich selbstbewusst auf. Im Westen meint man, die Sowjets wollen die Weltherrschaft ergreifen.

Einige Dinge sprechen auch dafür. 1949 zündete die UdSSR ihre 1. Atombombe und zeigte der Welt:

Jetzt gibt es zwei Atommächte auf der Welt. Für die Amerikaner ist klar, dass das westl. Verteidigungsbündnis,

die NATO, mehr Soldaten, mehr Divisionen hat, das sind Großverbände mit bis zu 30.000 Soldaten.

Aber woher soll man diese Divisionen nehmen? Die Briten sind wirtschaftlich am Ende,

die Franzosen führen Krieg in Indochina, und die USA, na ja, die kämpfen im Koreakrieg.

Konrad Adenauer sieht die Chance, Vertrauen zu gewinnen und Deutschland wieder souverän,

außenpolitisch handlungsfähig zu machen. Wie andere Politiker schlägt auch er früh vor,

eine gemeinsame europäische Armee aufzubauen, mit deutscher Beteiligung.

Damit wäre sichergestellt, dass Deutschland keine militärischen Alleingänge mehr unternehmen kann.

Die Idee mit der Montan-Union war schon umstritten. Ihr könnt euch vorstellen, was jetzt los ist.

Adenauers Plan war: Wenn die Deutschen sich an der europäischen Armee beteiligen

und sich wieder bewaffnen, dann sollen sie im Gegenzug die Souveränität erhalten.

Dann sollen die Besatzung und der Einfluss der Besatzungsmächte enden. Es wird hin- und herverhandelt, bis alles unter Dach und Fach ist.

Aber das französische Parlament stimmt letztlich nicht zu. Die Angst vor Deutschland ist zu groß.

Außerdem will man seine eigene Armee nicht einem europäischen Befehl unterstellen.

Das Projekt einer europäischen Verteidigungsgemeinschaft scheitert. Jetzt ziehen die Amerikaner Plan B durch.

Die BRD soll direktes Mitglied in der NATO werden. Dazu muss sie eine Armee aufbauen.

Sie verzichtet darauf, atomare, biologische und chemische Waffen, "ABC-Waffen" zu besitzen.

Im Gegenzug erhält sie die Souveränität. Nebenbei wird über das Problem "Saargebiet" verhandelt.

Das Saarland soll ein eigenständiges europäisches Gebiet werden. Mit einem Doppelschlag werden 1954 das Saar-Statut

und 1955 die "Pariser Verträge" vereinbart. Damit wird Deutschland wieder souverän, zehn Jahre nach dem Krieg.

Die Alliierten haben noch die Oberhoheit über die Westsektoren von Berlin.

Sie müssen einer möglichen deutschen Wiedervereinigung zustimmen. Als die Bevölkerung im Saarland bei einer Volksabstimmung

gegen das Saar-Statut stimmt, tritt das Saarland dem Geltungs- bereich des Grundgesetzes 1957 bei

und wird damit ein Teil der Bundesrepublik Deutschland. Ein besonders schwieriges, außenpolitisches Thema

ist die Beziehung zum ebenfalls neu gegründeten Staat Israel und allgemein zu den Juden.

Bundeskanzler Adenauer erklärt 1949 und 1951, dass die BRD für die Verbrechen der Nazis die Verantwortung übernimmt.

Daraus leitet er ab, dass die BRD den Verfolgten Entschädigungen zahlen muss.

Das wird so beschlossen. Verfolgte Juden erhalten ihr Eigentum zurück, bekommen Renten,

einen Ausgleich. Jüdische Kultur und Kunst werden gefördert und vieles mehr:

Auch andere Opfergruppen der Nazis werden später entschädigt. Und die Bundesrepublik unterstützt den israelischen Staat

mit Geld- und Warenlieferungen. Zur Wiedergutmachung und zur Sühne.

In der Bundesrepublik ist das sehr umstritten. Viele Bürger sehen nicht ein, wieso sie was zahlen müssen.

Die Aufarbeitung der NS-Zeit hat da noch nicht begonnen. Aber dass Westdeutschland Verantwortung übernimmt,

ist Bedingung der USA, um die Souveränität zurückzubekommen. "Aufarbeitung der NS-Zeit" ist auch ein wichtiges Thema,

wenn es um die Innenpolitik unter Konrad Adenauer geht. Dazu gibt's dann das nächste Video hier auf dem Kanal.

Wie bewertet ihr denn die Außenpolitik Konrad Adenauers? Dieser unbedingte Wille zur Souveränität.

Sagt ihr: Das war das Richtige? War er vielleicht etwas dreist? Schreibt es gerne unten in die Kommentare.

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Untertitel: ARD Text im Auftrag von Funk (2019)